Hi again,
ich bin mittlerweile in der zauberhaften Küstenstadt Monterey knapp 190 km südlich von San Francisco angekommen. Monterey war Ende des 18. Jahrhunderts und Anfang des 19. Jahrhunderts ein wichtiger Fischerei- und Walfanghafen. Leider haben sie schon zu Zeiten des 2. Weltkrieges ein paar Sardinen zu viel aus dem Wasser gefischt gehabt und so ist dieses schönes Fleckchen Erde mit einer herrlichen Küste heute mehr auf den Tourismus ausgerichtet.
Und dank einer netten Bekanntschaft im Monterey Hostel (eine frisch pensionierte Kanadierin, die alle Städte, in denen sie einmal gelebt hat, gerade wieder bereist), steckte meine Nase gerade auch schon in dem von ihr geschenkten Klassiker "Cannery Row" bzw. "Die Straße der Ölsardinen". In der Geschichte beschreibt Steinbeck das Leben der Männer und Frauen, die in den Konservenfabriken dieser Gegend arbeiteten. Die ersten Seiten lassen schon den Verdacht aufkommen, daß man Monterey besser heute besucht und das nicht nur, weil es weniger nach Fisch riecht als damals...;))
Doch mehr zu Monterey, Pacific Grove, Carmel und dem 17 Mile-Drive beim nächsten Mal. Nachdem es mir hier so gut gefällt, man viel in der Gegend machen kann und auch das Hostel sehr fein und gemütlich ist, werde ich mir hier jetzt doch etwas mehr Zeit nehmen, als ursprünglich geplant. Vor dem Besuch von L.A. war (nachdem es im Yosemite-Park derzeit doch noch etwas zu winterlich ist) eigentlich noch Abstecher zum Joshua Tree Park geplant. Doch dieser Park steht eh nicht ganz oben auf meiner möchte-ich-unbedingt-mal-sehen-Nationalpark-Wunschliste. So I "take it easy" und reisse die letzten Tage in den USA nicht alles im Zeitlupentempo ab...Dafür gibt es einfach die besseren Argumente.;))
Doch vielleicht erst noch mal einen Sprung zurück...ich hänge ja schon wieder etwas nach mit meinem Blog...und hab ja noch gar nichts zu dem kleinen Paradies geschrieben, dass ich vor Monterey entdeckt habe.
Von San Francisco aus hat es mich ja erst etwas nach Norden verschlagen. Und zwar zunächst in einen Wald auf Marin County, der Landzunge nördlich der Golden Gate Bridge. Ganze 15 überschaubare Kilometer muss man aus SF rausfahren und schon steht man in den Muir Woods gigantischen Redwood-Bäumen gegenüber, den höchsten Bäume der Welt, die eine Höhe von 110 Metern erreichen können.
Schon die Fahrt zu den Muir Woods eröffnet einem
herrliche Ausblicke auf die Küste...

...und Einblicke

...und dann ist man auf einmal schon da.
...und glaubt nicht, dass man kurz vorher noch in dieser riesigen Stadt war.

...das Wetter war da übrigens noch ganz sonnig...
Und nachdem ein längerer Hike leider, leider nicht möglich
war, habe ich mich mit der amerikanischen
Kurzstrecke von gefühlt weniger als einer Stunde "Bäume
schauen" begnügt und das war genau die richtige Dosis. ;-)

...neben bis zu 900 Jahre alten Bäumen fühlt
man sich übrigens trotz erster Verschleißerscheinungen
einfach jung und knackig;-)

...und hier die ersten noch stehenden Bäume - die wirkliche
Höhe und Anmut kann man mit Fotos kaum einfangen.

...besonders schön war auch Cathedral Grove mit
noch älter wirkenden, würdevollen Bäumen.
Leider war es dort zu dunkel, um es mit dem iphone gut einzufangen.

...ein wenig "schöne Welt" gab es im typischen Store
zum Mit-nach-Hause nehmen natürlich auch.;)
Von den Muir Woods ging es dann weiter nach
Point Reyes National Seashore.
Wikipedia sagt dazu:
"Die 300 km² umfassende weit ins Meer hinausreichenden
Point-Reyes-Halbinsel, gilt als einer der schönsten
Küstenabschnitte Kaliforniens. Sie bietet wilde Klippenlandschaften, Sandstrände, einsame Buchten, Dünen und Wälder."
Und es stimmt. Allein die Fahrt nach Point Reyes über
kurvige, teilweise auf hohen Klippen und dann wieder im Wald
verlaufenden Straßen ist spektakulär - auch wenn ich keine
Miwok-Indianer mehr angetroffen habe.;)
Nach etwas Sucherei (meine Navi-App und die örtlichen
Schilder waren sich nicht ganz einig) habe ich dann zuerst
das Hostel und dann den Zugang zu den Beaches gefunden.
Mittlerweile war es nämlich schon Nachmittag und auch
wenn die Fahrt wunderschön und von den Kilometern her
nicht weit ist, braucht man für die Strecke relativ lang, da
man nicht wirklich schnell fahren kann. Insofern gab es eine
kleine Planänderung und ich war froh, in der wirklichen Einsamkeit
von Point Reyes NS das letzte Bett im female dorm
im einzigen Hostel zu bekommen.
Nachdem ich mir die Übernachtung gesichert und
die Hostelleitung mir versichert hatte, ich könnte dort zum Abendessen
Pasta "mitessen", bin ich "sehr entspannt" erst einmal zum Limontour-Beach aufgebrochen.
...kaum hatte ich fast die letzte Düne erreicht,
erwartete mich ein kleine Überraschung...mit
einer lauten BBQ-Gruppe hatte ich nicht gerechnet.;))
es ist wirklich sehr abgelegen...

...Ihr seht, bis auf die Gruppe war der herrliche
Strand dann aber fast leer..

...zurück im Hostel erwartete mich die nächste Überraschung.
Die super große Gruppe von Bikern aus San Francisco,
die mir schon angekündigt worden war, war inzwischen auch zurück.
Und die angekündete (irgendwie für mich im Gespräch zuvor mit der
Frau vom Hostel "kaufbar" klingende) Pasta entpuppte sich als
Essen der Truppe, welches sie selber mitgebracht hatten. Und die
nächsten Restaurants waren doch ein bissi weiter und mir knurrte
inzwischen ziemlich Magen...sagte ich das schon?
Noch bevor ich über mein Foodproblem weiter nachdenken konnte,
kam die Frau vom Hostel wieder zu mir, zwinkerte mir zu und
sagte mir, dass sie mit den Leuten gesprochen hätte und wir beide
eingeladen worden wären and that "there will be plenty of tasty food".
Und so war es dann auch. Wer übrigens immer noch glaubt,
alle Amis essen nur Fast-Food, sollte nach Point Reyes fahren.;)
Neben schneller Pasta gab es super-leckeres Gemüse und
biker-taugliches, gebratenes Huhn, Salat und Co.
Wirklich yummieh...Als Dank wollten sie keine Spende für
die Vereinskasse und auch nach 10 Minuten beim Abtrocknen helfen,
wurde ich trotz Protesten abgelöst. Im einzigen "Aufenthaltszimmer"
gab es anschließend noch für alle einen kleinen Vortrag mit Fragerunde
von einem ehemaligen Radprofi, der jetzt coacht und sich
mit allen mgl Dingen auskannte.
War ein ganz unerwartet netter und ganz spannender
Abend. Und zumindest in der Theorie bin ich jetzt für mein nächstes
Radrennen bestens vorbereitet...;)))
...ach ja, zwei Bilder noch vom Hostel aus
den frühen Morgenstunden.

...ich mußte übrigens morgens beim Auto sogar etwas Eis wegkratzen,
da es über Nacht etwas sehr schattig gewesen war. Manchmal bleibt die
Sonnencreme dann doch im Rucksack...;))
...und noch das hübsche Lighthouse, das es vor dem Rückweg zu sehen gab.
Liebe Grüße und gute Nacht,
Wiebke